Die Rolle der sozialen Medien beim Amoklauf von München

Selten hat Social Media eine so große Rolle bei einem Amoklauf gespielt wie bei der von David S. verübten Bluttat am Münchener Olympia-Einkaufszentrum vom 22. Juli 2016. Facebook und Twitter waren dabei Kommunikationskanal für Täter und Polizei, für Zivilcourage, Helden und Hetzer. Erstmals aktivierte Facebook seinen Safety Check auch in Deutschland. Der psychisch kranke 18-jährige Deutsch-Iraner, der neun Menschen erschossen und weitere zum Teil schwer verletzt hat, löste in der bayrischen Landeshauptstadt mit seinem Amoklauf im OEZ den Ausnahmezustand aus.

Die Facebook-Falle des Täters

David S. sei in der Schule von Türken und Arabern gemobbt worden, heißt es in Medienkreisen. Womöglich deshalb hatte er sich einen besonders perfiden Plan ausgedacht. Auf Facebook gab er sich als das 16jährige türkische Mädchen „Selina Akim aus. „Kommt heute um 16 Uhr Meggi am OEZ ich spendier euch was wenn ihr wollt aber nicht zu teuer,“ schrieb er unter ihrem Namen. 100mal wurde der Post geteilt, 40mal geliked. Im McDonalds am OEZ startete S. gegen 18 Uhr seine Bluttat. Wie viele Jugendliche dem Fake-Profil auf den Leim gingen, ist nicht bekannt. Unter den Toten soll jedoch keiner der Facebook-Freunde sein. Schon vor der Tat soll es Kommentare gegeben haben, die den Klarnamen des Täters mit dem Post in Verbindung gebracht haben. David S. galt als Sonderling. Außerdem berichteten Medien, schon während des Amoklaufes habe ein Mädchen verzweifelt getwittert, die für das Profil verwendeten Fotos seien von ihr gestohlen worden. In der Pressekonferenz von Innenminister Thomas  de Maizière hatte es geheißen, der Account sei womöglich gehackt worden.

Die Polizei twittert mehrsprachig

Schon früh hatte die Münchner Polizei auf Twitter auf die Lage reagiert und im Nachhinein viel Lob bekommen. Die Tweets waren sachlich, riefen zur Ruhe auf und dazu, öffentliche Plätze zu meiden. Da nicht bekannt war, wie viele Täter involviert waren, bat die Polizei immer wieder darum, keine Videos der Einsatzkräfte online zu stellen, um den Tätern keine Anhaltspunkte über die Ermittlung und Strafverfolgung zu geben. Die Polizei tat dies nicht nur auf Deutsch sondern auch auf Englisch, Französisch und Türkisch. Viel Lob gab es auch für den Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins, der sich auf der Pressekonferenz nicht aus der Ruhe bringen lies und souverän und sachlich über den Ermittlungsstand berichtete ohne Mutmaßungen zu schüren.

Facebook Safety Check aktiviert

Facebook bietet seit einiger Zeit eine besondere Funktion an, die immer im Katastrophenfall wie beim Erdbeben in Nepal 2015 und seit den Anschlägen von Paris auch bei Gefährdungslagen zum Einsatz kommt. Via Facebook können Nutzer signalisieren, dass sie sich in Sicherheit befinden. Entwickelt wurde die Funktion 2011 nach dem Tsunami und dem Reaktorunfall in Fukushima. einmal aktiviert, signalisiert der Safety Check den verbundenen Usern, dass man sich in Sicherheit oder sogar außerhalb des Gefahrengebiets befindet.

Münchens #OffeneTür

Die Stadt rückte zusammen. Auch viele Twitter-User solidarisierten sich untereinander. Durch den Großeinsatz der Polizei, bei der bis zu 2.400 Einsatzkräfte involviert waren, die den kompletten Personennahverkehr lahmlegten, waren viele Menschen nicht in der Lage, nach Hause zu gelangen. Unter dern Hashtags #opendoor und #offenetür boten Anwohner an, fremde Menschen bei sich aufzunehmen und notfalls sogar übernachten zu lassen, bis die Gefährdungslage vorbei war. Auch einige Moscheen in München beteiligten sich daran.

Falsche Meldungen

Doch auch einige Internet-Trolle mischten auf den Sozialen Netzwerken mit. So verbreiteten sie vermeintliche Aufnahmen vom OEZ München, die in Wahrheit in keinem Zusammenhang mit dem Attentat standen. Die bilder zeigten verwüstete Einkaufszentren und am Boden liegende blutende Menschen sowie einen vermeintlichen Täter. Auch Video-Material von vermeintlichen Nebenschauplätzen in der Münchner Innenstadt taucht immer wieder auf. So gab es Massenpaniken am Hofbräuhaus und am Stachus. All die Falschmeldungen machten es der Polizei nicht einfacher, die Lage zu überblicken. Insgesamt gingen in sechs Stunden so viele Notrufe ein wie sonst in vier Tagen.

Echte Helden

Es gab jedoch auch echtes Material, das den Schützen dabei zeigt, wie er aus der McDonalds Filiale heraus tritt und das Feuer auf Passanten eröffnet. Es zeigt Menschen, die aus dem Einkaufszentrum fliehen und es zeigt Thomas S., einen 57-Jährigen Anwohner, der den Amokschützen beschimpft, als dieser sich auf einem Parkdeck verschanzt. David S. lässt sich in einen Streit verwickeln, wirkt sichtlich irritiert. Das rettet vermutlich vielen Menschen das Leben, die sich in der Zwischenzeit in Sicherheit bringen können.

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