Fauxpas: Jochen Schweizer „klaut“ Evrgreen-Slogan

Zartes Startup-Pflänzchen gegen Konzern-Marketing-Maschinerie? Die beiden Gründer des Pflanzen-Startups Evrgreen staunten nicht schlecht, als sie während der Ausstrahlung der VOX Gründershow „Die Höhle der Löwen“ einen Hinweis aus dem Bekanntenkreis bekamen, wer da gerade mit ihrem Slogan Google-Werbung schaltete. Kein geringerer als Jochen Schweizer tauchte dort mit seinem Erlebnisportal auf und warb mit ihrem Claim für einen Pflanz- und Gärtnerkurs aus seinem Angebot. In der Sendung hatte der „Löwe“ ihr Geschäftskonzept noch komplett verrissen. Googelte man während der Ausstrahlung aber Namen oder Slogan der Gründer, kam als erstes Ergebnis eine Google-Anzeige für das Erlebnisportal des DHDL-Juroren. Der Fall eskalierte durch reißerische Berichterstattung in den Medien und Schweizer sah sich sogar dazu gezwungen, sich selbst mit einer Videobotschaft zu Wort zu melden:

Jochen Schweizer und Evrgreen im Streit

Was war passiert? Eine übereifrige Mitarbeiterin der Marketingabteilung des Eventunternehmens hatte sich in den Sogan verliebt und diesen bei Google als Werbung eingebucht als eines unter etwa 12.500 anderen Google Adwords. Die Mitarbeiterin, die für die Pflege der Kategorie Pflanzen zuständig ist, sei noch nicht lange im Unternehmen und habe den Claim in die Anzeige für die Gärtner-Kurse gesetzt. Rechtlich ist das komplett fein und unproblematisch, da der Slogan nicht geschützt ist, einen Verstoß „gegen bestimmte Werte“ räumte Schweizer aber ein. Als er von dem Fehler erfuhr, hatte er sofort versucht, sich mit Evrgreen in Verbindung zu setzen.

Da sei aber bereits eine PR-Agentur dazwischen gegangen, schildert Schweizer  gegenüber der Gala. Mit der außenstehenden Agentur wiederum wollte er nicht sprechen sondern direkt mit den Gründern, „Ich habe Herrn Ehlers und Herrn Nieling daraufhin eine E-Mail geschrieben und mich entschuldigt.“ – Die Werbebuchung sei gleich am nächsten Morgen entfernt worden. „Das habe man nicht erwartet,“ heißt es aus dem Umfeld der Gründer zum vermeintlichen Slogan-Klau.

Jochen Schweizer wehrt sich

Der Löwe nahm anschließend gegenüber FOCUS Online in oben stehendem Video Stellung und rückte die Geschehnisse noch einmal ins rechte Licht. Den Gründern, denen er zum Erfolg gratuliert, wirft er vor, den eher kleinen Fehler mithilfe einer PR-Agentur aufgebauscht und medienwirksam ausgeschlachtet zu haben. Als Marketing-Profi zeigt er aber auch Verständnis für dieses Vorgehen. Ganz authentisch wirkt sein Lachen dennoch nicht – beinahe ein bisschen gekränkt und enttäuscht klingt er, wenn er die beiden als „liebe Gründer“ direkt anspricht. Vor allem setzt Schweizer aber auch ein Zeichen in Richtung der Nutzer, die über Social Media fordern, die verantwortliche Mitarbeiterin müsse entlassen werden. In seinem Unternehmen herrsche eine offene Fehlerkultur, zu der es gehöre, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Mit der Mitarbeiterin habe er persönlich gesprochen.

Einschätzung

Dass der Slogan tatsächlich erst zur Ausstrahlung der Sendung kopiert wurde und für einen begrenzten Zeitraum online war, mutet schon etwas merkwürdig an. Hier war sicher ein gewisses Kalkül am Werk, zumindest seitens der Marketingverantwortlichen. Von Plagiat wie manche Medien es bezeichneten kann man aber kaum sprechen. Der Slogan ist weder sehr kreativ noch rechtlich geschützt und vermutlich auch gar nicht schützbar. Auch daran, dass ein Löwe oder andere Unternehmen vom Erfolg profitieren wollen, ist erstmal nichts Verwerfliches. Dass Jochen Schweizer von einzelnen Keyword-Einbuchungen überhaupt gewusst hat, ist ebenso unwahrscheinlich. Ein Vorwurf persönlicher Art wäre daher absoluter Nonsens.

Anders bewerten kann man das Bieten auf das Keyword „Evrgreen“, was womöglich ebenfalls erfolgt ist. Während der Sendung suchen viele Zuschauer nach dem Startup und wollen dementsprechend auch dort landen. Die meisten klicken auf die erste Position im Suchergebnis und in diesem Fall landeten sie bei Jochen Schweizer und nicht bei dem Startup. Das könnte den Pflanzen-Online-Shop einige Besucher und somit Umsatz gekostet haben. In Verbindung mit dem „ausgeliehenen“ Slogan könnten die User sogar im Irrtum darüber gewesen sein, wer der Anbieter des Gärtnerkurses ist. Sollte das wirklich der Fall gewesen sein, ginge es schon beinahe in den Bereich der Täuschung hinein. Das wäre dann nicht mehr okay und die Verärgerung des Startups verständlich. In der aktuellen frühen Wachstumsphase wäre das im Zweifel tatsächlich geschäftsschädigend.

Der Löwe hat in allen Belangen richtig reagiert. Es war richtig, Kontakt zu den Gründern zu suchen, nicht mit der PR-Agentur zu reden und die Mitarbeiterin selbstverständlich nicht zu entlassen. Ob es wirklich einer öffentlichkeitswirksamen Stellungnahme und mehrerer Interviews bedurfte, erscheint hier fragwürdig, zumal die meisten Zuschauer und Leser die Hintergründe der Suchmaschinenwerbung eh nicht verstehen. Aber der Ex-Stuntman hat hier den PR-Ball sehr gut aufgenommen und zu seinen Gunsten das Unternehmen wieder in ein positives Licht gerückt, ohne allzu stark in Richtung Evrgreen zurück zu schießen. Von einem Zerwürfnis muss man aber sicher trotzdem sprechen.

Man kann aber auch den Hut ziehen vor Evrgreen. Nicht jeder Gründer hätte gleich das Potenzial einer solchen Situation erkannt und es medienwirksam ausgeschlachtet. Etwas mit dem Vorschlaghammer, aber nicht gänzlich ungerechtfertigt. Zumindest mit Blick aufs eigene Wachstum war das für den Moment eine gute Entscheidung. Objektiv betrachtet ist man in der Art und Weise vielleicht trotzdem etwas über das Ziel hinaus geschossen. Ein Vorabgespräch mit Jochen Schweizer und die Besprechung einer möglichen Kompensation durch Medialeistung hätte sicher den gleichen Effekt erzielen können ohne verhärtete Fronten zu schaffen. Vielleicht treffen sich Evrgreen, Jochen Schweizer und seine SEA-Managerin ja mal auf einen Versöhnungs-Gärtnerkurs und pflanzen sich gemeinsam glücklich.


Bildquelle: Eigene Fotomontage | Bild Jochen Schweizer: VOX / Benno Kraehahn

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