Elektrohändler Conrad trickst bei myDealz und wird gesperrt

myDealz ist schon längst eine der größten E-Commerce-Plattformen Deutschlands. Wer hier gute Bewertungen für seine Rabattangebote bekommt, der kann sich in der Regel vor Onlinekunden kaum noch retten. MyDealz-User brachten in der Vergangenheit in ihrer Kaufwut schon ganze Server zum erliegen. Kein Wunder also, dass der Onlinehandel ein echtes Interesse daran hat, auf der Plattform vertreten zu sein und dabei manchmal auch zu unlauteren Mitteln greift. Der Elektronikhändler Conrad musste nun zwei Wochen zwangspausieren. Er war beim Tricksen erwischt und von myDealz von der Plattform genommen worden.

myDealz ist ein Empfehlungssystem für Gutscheine, Rabatte und Deals, auf dem User eigenständig Angebote einstellen, kommentieren und bewerten können. Im Falle des Elektronikhändlers war man nun auf rund 100 verdächtige Accounts mit identischer oder ähnlicher IP gestoßen, „die ausschließlich dafür angelegt wurden, um Conrad-Deals einzustellen oder Conrad Deals zu bejubeln“. Da diese Form der Eigenwerbung gegen die Plattform-Richtlinien verstößt, verbannte myDealz Ende April kurzerhand alle Angebote, die auf die Plattform des Händlers führten und sperrte die Anlegefunktion solcher Deals.

Wer die Regeln einhält hat nichts zu befürchten

Nach Notebooksbilliger ist Conrad schon der zweite große Elektronikhändler, den es trifft. Aus Missbrauch resultierende Verwarnung und Sperren sind gar nicht selten, weil myDealz großen Wert auf seine Community-Richtlinien legt. Im Falle kleinerer Händler bleibt das meist ohne Folgen. Bei großen Onlineshops wie Notebooksbilliger oder Conrad erfolgen jedoch ganz im Sinne der Transparenz öffentliche Informationen. Die haben zwei Funktionen: Zum einen wird der Community erklärt, warum bestimmte Deals sich vorübergehend nicht anlegen lassen. Zum anderen senden sie eine klare Botschaft an alle anderen Trickser: Es kann jeden treffen, der sich inkorrekt verhält.

MyDealz entscheidet im Sinne der User und der Fairness und nimmt auch keine Rücksicht darauf ob es wie bei notebooksbilliger bestehende Geschäftsbeziehungen (aktives Affiliate Programm & Salevergütung) gibt oder wie bei Conrad die Angebote nicht vergütet werden. Die wichtige Botschaft auch hier: „Wir sind nicht käuflich“. Auch vorzeitig „freikaufen“ kann man sich als Onlineshop aus der Zwei-Wochen-Sperre selbstverständlich nicht.

Conrad spielt die Bedeutung herunter

Im Fall von Conrad ist die Strafe doppelt bitter. Einschlägige Affiliate- und Branchenmagazine haben die Negativnachricht dankbar angenommen. Der Verstoß sei derart eklatant gewesen, dass die Sperre ohne Vorwarnung erfolgte, liest man dort. Im Hause Conrad war man an einer schnellen Klärung interessiert, entschuldigte sich und beteuert, dass es sich um die Aktionen eines einzelnen Mitarbeiters handelte, mit dem im Nachgang ein Gespräch geführt worden war. Auch mit dem Plattformbetreiber hatte man gesprochen. Von Glück kann der Händler sagen, dass er nicht auch noch von einem Wettbewerber wegen unlauteren Wettbewerbs abgemahnt wurde. Auch Verbraucherschützer sehen die (rechtswidrige) Manipulation von Ratings auf Bewertungsplattformen wie Amazon, Testberichte & Co. sehr kritisch.

„Man muss aber auch klar sagen, dass myDealz kein strategischer Partner von Conrad ist. Die Art von Kundennachfrage, die dort hergestellt wird, ist für uns nicht von Interesse,“ sagte Conrad-Geschäftsführer Holger Ruban allerdings im Interview mit dem Magazin Channelpartner. Gemeint sind vermutlich User, die wie „Schnäppchennomaden“ oder Heuschrecken über Billigangebote herfallen, aber keinerlei Markenloyalität zum Händler besitzen. Ein Vorwurf, den sich nicht nur Deal-Communitys sondern auch Liveshopping-Anbieter seit Jahren immer wieder anhören müssen. Wie sehr diese Impuls- und Gelegenheitskäufer aber den deutschen E-Commerce stützen und dass es an jedem Händler selbst ist, Einkäufer zu Wiederkäufern zu machen, bleibt häufig unerwähnt. Auch die Vermutung, bei den myDealz Usern handele es sich ausschließlich um diese Art von Abgreifern, entbehrt jeder Grundlage. Das mag für einzelne Hardcore-User gelten, aber myDealz hat monatliche Visitzahlen im zweistelligen Millionenbereich und viele junge User, die einmal die Conrad-Kunden von Morgen werden könnten.

Plädoyer für Feedback-Kanal an den Onlinehandel

Es geht übrigens auch anders. Plattformen wie myDealz sind ein wichtiger Marktakzeptanz-Indikator und Feedbackkanal für den Onlinehandel. 2010/2011 arbeitete ich selbst für einen Onlineshop, der sich ein Liveshopping-Angebot aufbaute. Anfangs versuchten wir, neben herkömmlichen Vergleichsmethoden wie Preisvergleich auf idealo & Co uns ein Feedback der User der myDealz-Community einzuholen, um das Pricing und die Produktauswahl noch weiter zu verbessern.

Einen kleinen Rüffel der User gab es zwar für das kommerzielle Posting, aber weil wir immerhin mit offenen Karten spielten und darauf hinwiesen, dass es uns nicht um den Verkauf sondern um Feedback zum Produkt und zum Preis an sich ging, kam das bei den Nutzern (damals noch) gut an. Heute wäre das vermutlich nicht mehr so möglich.

Ein Erfolg des Liveshoppingportals war uns aus anderen, firmeninternen Gründen nicht vergönnt, aber der Dealqualität kam dieses User-Feedback zugute. Eigentlich bräuchte es also viel mehr unkomplizierte Online-Testlabs eben nicht nur für Produkte und Services sondern auch für Dealangebote. Ein solcher Feedback-Kanal könnte so manchem Onlinehändler helfen, erfolgreicher zu sein. Am Ende hilft auch jeder eingestellte Deal bei myDealz dabei. Nur an die Richtlinien sollte man sich dabei halten und nicht tricksen. Vielleicht einfach so gut sein, dass die User den Deal auch ohne eigenes Zutun einstellen.

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