Moonshot-Thinking: Was Google so erfolgreich macht

Die wenigsten kennen Google X, doch die meisten haben schon einmal von einem der sechs aktuellen Projekte gehört. Google X ist die Forschungsabteilung von Google, die sich mit dem selbstfahrenden Auto, der Datenbrille Google Glass oder fliegenden Windkraft-Turbinen beschäftigt. Hinter der Abteilung steckt mehr als nur eine Vision. Sie ist Sinnbild des Entrepreneurial Thinkings bei Google. “Moonshots” werden die Projekte intern genannt – in Anlehnung an John F. Kennedys große Vision, einen Menschen zum Mond zu schicken. Dahinter steckt die Idee, sich etwas Großes vorzunehmen, was das Potenzial hat, die Art wie wir leben zu verändern. Dr. Astro Teller, Leiter von Google X und “Captain of Moonshots” erklärt in diesem aufschlussreichen Vortrag, worauf es beim Moonshot Thinking ankommt.

Grundlagen des Moonshot Thinkings

1. Ten X Thinking: Faktor 10 schlägt 10 Prozent

Es ist oft einfacher, etwas 10mal besser zu machen als es 10 Prozent besser zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen ist jedoch bei einer Verbesserung um nur 10 Prozent signifikant höher, weshalb oftmals die Risikobereitschaft nicht gegeben ist, etwas unter unsicheren Erfolgsaussichten um Faktor 10 zu skalieren. Moonshots erfordern Geld und Zeit und die Erfolgsaussichten sind gering. Teller empfiehlt hierbei eine Portfolio-Strategie, wie man sie auch aus dem Venture Capital kennt. Der Hauptaufwand soll in die sicheren Projekte gesteckt werden, die eine sichere Rendite abwerfen, aber ein Teil der Zeit solle in die risikoreichen Moon Shots gesteckt werden, da diese alles andere überflügeln können. Mit diesen Ten X Projekten ist es wiederum möglich, bessere Mitarbeiter für sich zu gewinnen, die im Gegenzug auch das Projekt besser voranbringen. Das stärkt die Moral und senkt die Kosten.

2. Failing Fast: Die Kunst des schnellen Scheiterns

Um etwas großes zu schaffen sollte man fest einplanen, dass 99 Prozent aller Anstrengungen nicht erfolgreich sein werden. Misserfolge sind nur dann kostspielig, wenn man sie nicht schnell genug erkennt und schnell genug den Stecker zieht. Oft verleiten emotionale Gründe dazu, Projekte noch weiter laufen zu lassen. Erst wenn ein Misserfolg zu spät erkannt wird, ist man gescheitert. Wird ein Misserfolg sofort erkannt und die Konsequenz daraus gezogen, ist das ein Lerneffekt. Dafür ist es wichtig, eine Unternehmenskultur des Ausprobierens zu schaffen, in der Misserfolge nicht mit Scheitern gleichgesetzt werden. Gescheitert ist ein Projekt erst, wenn man bereits Monate vorher hätte sehen können und erkennen müssen, dass es nicht erfolgreich sein wird. Hierfür ist es notwendig, Experimente und Risiken wertzuschätzen und nicht Ergebnisse und Mitarbeiter zu incentivieren, die bereit sind, diese Risiken einzugehen.

3. Die richtige Unternehmenskultur

Um mit dieser Methode erfolgreich zu sein, muss man ein Umdenken anstoßen. Man muss Mitarbeiter dafür belohnen, dass sie kreativ und risikofreudig sind. Ziel sollte sein, dass jeder Mitarbeiter Teil dieser neuen Bewegung bzw. Teil des Elite Teams werden oder sich zumindest einbringen möchte. Mitarbeiter, die sich damit nicht wohl fühlen, wird es immer geben, aber hierbei wird es eine ganz normale Selbstbereinigung geben und wer unzufrieden ist, wird von alleine ausscheiden.

Die Google X Moonshots

Google X arbeitet momentan an folgenden Projekten:

Project Glass – Googles Datenbrille

Ein Wearable Computer fürs Brillengestell, der Headup-Display und Kamera miteinander vereint. Nach der Beta-Phase wurde Google Glass Anfang 2015 zunächst gestoppt, soll aber als Projekt fortgesetzt werden. Insbesondere im beruflichen Anwendungsbereich, indem Informationen direkt ins Sichtfeld des Trägers eingeblendet werden können, liegen die Chancen dieses Produktes. Die Kritiken der Privatanwender waren bisher eher gemischt.

Selbstfahrendes Auto

Das erste selbstfahrende Auto, mit dem Google die Automobilbranche erobern möchte. Weder Lenkrad noch Gaspedal befinden sich noch in dem autonomen Vehikel. Aktuell bereitet Google Tests mit 150 Fahrzeugen auf öffentlichen Straßen vor. In spätestens fünf Jahren sollen die Gefährte marktreif sein.

Project Wing – Liefer-Flugdrohnen

Mit diesen Flugdrohnen möchte Google Amazon Konkurrenz machen und schneller Lieferungen auch an unwegsame Orte zustellen können. Die Flugdrohnen sind derzeit noch weit von der Marktreife entfernt und wie man am Beispiel Amazon sieht, ist die Zulassung eine weitere Hürde, die es zu nehmen gilt.

Google Smart Lens – Die Kontaktlinsen für Diabetiker

Google und Novartis arbeiten gemeinsam an einer Kontaktlinse, die den Blutzuckerspiegel des Trägers direkt an der Pupille messen kann. Die Digitale Kontaktlinsen sollen Diabetikern das Leben leichter und den Bluttest am Finger überflüssig machen. Novartis entwickelt die Smart Lenses basierend auf der von Google entwickelten Technologie. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnten die Linsen auf den Markt kommen.

Project Loon – Internet via Ballons

Mit Project Loon möchte Google das Internet auch in schwer zugängliche und infrastrukturell noch nicht so gut erschlossene Teile der Welt bringen und somit Bildung und die Informationen des World Wide Web allen Menschen auf der Welt zugänglich machen. Hierfür wurden spezielle Ballons entwickelt, die das Internet aus der Luft verbreiten.

Fliegende Windkraftturbinen

Mit den Windkraft-Turbinen geht Google erneut in die Luft. Die fliegenden Turbinen sollen Windenergie direkt dort erzeugen, wo der Wind am stärksten ist und damit ergiebiger als jedes Windrad sein. Die ersten Tests der Windkraftturbinen liefen bereits und die Ergebnisse waren beeindruckend.

Über Stefan Jänisch
Stefan Jänisch beschäftigt sich seit 2006 mit eBusiness und aktuellen Trends wie Liveshopping, Crowdinvesting, Mass Customization, Abo-Commerce, Curated Shopping und Couponing.