Wo sind die guten Speedshopping Ansätze?

Wer glaubt, dass Liveshopping bereits Online Shopping mit durchgetretenem Gaspedal ist, der wird sich beim Speedshopping in einen regelrechten Kauf-Geschwindigkeitsrausch versetzt fühlen. Innerhalb von wenigen Stunden, Minuten oder sogar Sekunden werden Waren zu besonders günstigen Preisen angeboten. Impulskäufe garantiert, Schnäppchenjagd par excellence. Das besondere bei vielen Speedshopping-Konzepten ist, dass es zwar einen vordefinierten Aktionszeitraum gibt, der Kunde aber nicht selten durch Klick auf einen Startbutton selbst den Start des Zeitraums bestimmt, in dem er sich für den Kauf entscheiden kann. Ein konsequenter und erfolgreicher Ansatz fehlt dem Markt in Deutschland jedoch noch, obwohl es hier und dort vereinzelte Ansätze gibt und gab.

Amazon Blitzangebote

Amazon Blitzangebote
Die Amazon Blitzangebote – Speedshopping made by Amazon (Infografik: amazon.de)

Prominentester Speedshopping-Anbieter ist Amazon mit seinen Blitzangeboten. Bei diesen Werbeaktionen werden bestimmte Artikel für eine kurze Zeitspanne im Preis reduziert. Der Sonderpreis gilt, bis das freigegebene Kontingent abverkauft oder der Aktionszeitraum abgelaufen ist. Wer ein Blitzangebot während des Aktionszeitraums in den Warenkorb legt und dann binnen 15 Minuten den Kauf abschließt, kommt in den Genuss des Sonderrabatts. Amazon ist sehr umtriebig im Bereich Aktionsshopping, was neben eigenen Experimenten in den USA auch die Aquirierungen von Woot.com und BuyVIP zeigen. Ein großer Innovationstreiber ist der Shopping-Riese allerdings nicht und das merkt man auch bei der Einfallslosigkeit mit der die Blitzangebote in die bestehende Amazon Plattform integriert wurden. Wer freche Ideen oder Experimentierfreude sucht, wird sie hier nicht finden. Amazon betreibt Speedshopping mit der Ernsthaftigkeit, Gemächlichkeit und Akkuratheit einer europäischen Behörde.

Frühe Ansätze im Medion Deal Club

Medion Deal Club - Speedshopping
Speedshopping-Elemente im Deal Club zu Zeiten der Partnerschaft mit Medion.

Einen spannenden Speedshopping-Ansatz fuhr einst der Dealclub (damals noch powered by Medion). Der Faktor Zeit spielte eine große Rolle bei den Angeboten des Liveshops. Bekannt waren die Produkte der Verkaufsaktion und ein zugehöriger Referenzpreis. Durch Klick des eingeloggten Users auf eine Schaltfläche ließ sich der Aktionspreis aufdecken, der nur wenige Sekunden galt. Wer sich innerhalb dieses Zeitraums für einen Kauf entscheiden konnte, erhielt das Produkt zum Bestpreis. Wer zu langsam war, der erhielt zumindest noch eine zweite Chance für einen etwas höheren, aber immer noch günstigen Preis. War der Preis einmal aufgedeckt und der Countdown abgelaufen, ließ sich das Produkt immerhin noch bis zum Ende des Aktionszeitraumes zum Normalpreis kaufen. Ein Interessanter Liveshopping-Ansatz mit Speedshopping-Elementen, der mittlerweile leider wieder aufgegeben wurde.

Der Abverkaufstag als Liveshopping-Erfolgsfaktor

iBOOD Hunt - Speedshopping
Banner für die iBOOD Hunt, den Speedshopping-Tag bei iBOOD – Texte mit gewohnt holländischem Charme

Alle Liveshopping-Anbieter kennen das Problem: Lagerbestände, die aus Verkaufsaktionen übrig geblieben sind oder Einzelposten, die aus Stornos und Retouren stammen. Gerade die reinen Liveshopping-Anbieter, die keinen nachgelagerten Shop oder eine andere Art der Weiterverwertung betreiben, haben kaum eine andere Möglichkeit der Zweitverwertung als den verlustbehafteten Verkauf an Restpostenhändler. Die Lösung des Problems liegt in Abverkaufstagen, den sogenannten Woot Offs (woot.com), iBOOD Hunts, dem Guutrausch (guut.de) oder den Mähdays (Preisbock). In schneller Folge werden die Warenbestände auf der Plattform präsentiert und abverkauft. Durch die geringen Stückzahlen von 2 bis 100 Stück entsteht ein Speedshopping-Effekt mit echten Impulskäufen. An Abverkaufstagen wird oft ein Vielfaches des normalen Tagesumsatzes eingefahren. Die Abverkaufstage sind jedoch auch eine große logistische Herausforderung.

Türkisches Montags-Syndrom

Pazartesi Sendromu Speedshopping
Speedshopping-Ansatz aus der Türkei: Pazartesi Sendromu, das Montagssyndrom

Pazartesi Sendromu („Montagssyndrom“) nannte sich ein Speedshopping-Konzept aus der Türkei, das ähnlich wie die Abverkaufstage im Liveshopping nur an bestimmten Tagen (allerdings regelmäßig) stattfand. Der türkische Elektronikversender GedikGross bot auf der Website wöchentlich diverse Verkaufsaktionen an. Die Seite, die immer nur montags erreichbar war (mittlerweile aber nicht mehr), hatte einen klaren Aufbau und brachte damit Ordnung in das Chaos des Abverkaufstages. Pro Stunde starteten drei Deals, die jeweils nur 60 Minuten oder bis zum Abverkauf liefen. Über einen Slider konnte man sich abgelaufene und kommende Artikel anschauen.

Schwedisches Speedsale

Das bisher frecheste Speedshopping-Konzept kommt aus Schweden. Der schwedische Anbieter Papercut bietet auf seiner Website speedsale.se einen Flashfilm, in dem jeweils für 4 Sekunden ein Produkt präsentiert wird, das der User auch nur in dieser Zeit in den Warenkorb legen kann. Artikeldetails gibt es nicht, nur Produkt und Preis.  Ist der Film gelaufen, kann er nicht wiederholt sondern nur noch der Kaufprozess abgeschlossen werden. Ruft der User die Seite erneut auf, um den Film noch einmal zu starten, bekommt er nur die Nachricht „You had your chance but blew it! Welcome back in a billion years.“ – Einen stärkeren und effektiveren Trigger für Impulskäufe kann es kaum geben; Wer den Artikel kaufen möchte, hat nur eine einzige Chance und nur 4 Sekunden für seine Entscheidung.

Speedsale Speedshopping
Keine zweite Chance! – Speedsale Speedshopping

 

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