Woot im Bauch: Die Geschichte des Matt Rudledge

Gerade wurde bekannt, dass Matt Rudledge, Founder und CEO von woot.com sich aus seinem Unternehmen zurückzieht, das er 2004 gründete und 2010 an Amazon verkaufte. Eigentlich ein schöner Moment, um noch einmal zurückzublicken auf die Anfänge des Liveshoppings:

Das neue, runderneuerte woot! unter dem Dach von Amazon
Das neue, runderneuerte woot! unter dem Dach von Amazon

Pionierzeit des E-Commerce

Es ist Mitte 2004. Die Online-Auktionen bei Ebay sind noch immer das Innovativste, was E-Commerce je zu bieten hatte, und halten die Onlinecommunity der Schnäppchenjäger in Atem. Facebook ist noch immer ein kleines Studentennetzwerk in den Vereinigten Staaten und soll erst ein Jahr später ein deutsches Pendant mit StudiVZ bekommen. Die deutsche und internationale Copycat-Industrie ist gerade am Erwachen, hat jedoch noch lange nicht ihren heutigen Professionalisierungsgrad erreicht. An Aktionsshopping-Modelle wie Live-, Club- oder Groupshopping, wie wir sie heute kennen, ist bis dato noch nicht zu denken.

Elektronik-Großhändler Matt Rudledge lebt und arbeitet im Großraum Dallas, Texas. Er verkauft Stückzahlen von 4.000 bis 5.000 Stück an andere Großhändler. Seit einiger Zeit schon trägt er sich mit dem Gedanken, ins Endkunden-Geschäft einzusteigen, will aber kein Shop „wie jeder andere“ sein. Matts Bruder Dave Rudledge besucht seinerzeit das College und betreibt mit seinem Freund Luke ein Blog, in dem sie ihre persönlichen Online-Fundstücke posten. Jeden Tag erzählen sie eine neue Geschichte und bauen sich damit eine eigene Fanbase auf.

Entertainment-Shopping

Inspiriert vom Blog seines Bruders kam Matt Rudledge auf die Idee, einen Shop zu entwickeln, der genau das gleiche machte. Das war die Geburtsstunde von woot.com und des Daily Deal Prinzips, das international mit dem woot-Slogan „One Day, One Deal“ bekannt wurde und 2007 als „Liveshopping“ nach Deutschland kam. Wie in einem Blog stellte Rudledge täglich ein Produkt zum Verkauf ein und stellte dies statt mit dem üblichen Marketingsprech mit einer witzigen bis abstrusen Geschichte dar. Ein Kauferlebnis, das es bis dahin so noch nie gegeben hatte. Schnell kam er auf Stückzahlen von 2.000 bis 10.000 Stück am Tag. Es folgten weitere Gags wie die „Bag of Crap“, „Two for Tuesday“-Aktionen oder spezielle Abverkaufstage wie die „Woot-Offs“.

Was folgt, ist Geschichte: Viele Hundert Onlineshops weltweit kopieren das Prinzip der Tagesangebote. In Europa sind besonders iBOOD.com und 1DayFly zu nennen und in Deutschland schutzgeld.de, guut.de und preisbock.de. Bis nach Australien verbreitete sich die Idee des Catch-of-the-Day. Woot vertikalisierte und startete Portale für Wein, T-Shirts, Kids, Home, Sport und einige mehr. Auch eine Kooperation mit Yahoo unter dem Label SellOut.Woot und eine Community-Dealjägervariante unter dem Namen dealswoot wurden gestartet. 2010 überraschte Rudledge, als er woot! an Amazon verkaufte, die seinerzeit auch schon Zappos, das US-Vorbild von Zalando übernommen hatten.

Die Ära Amazon

Sah 2010 noch alles danach aus, dass woot! Seine Selbstständigkeit würde weitgehend erhalten können

Woot HQ will remain in Carrollton, Texas, and will operate as autonomously as other Amazon companies like Zappos and Audible.

schreibt TechCrunch über ein Gespräch mit Rudledge zu seinem Abtritt:

Rutledge says looking back he might have liked to stay  independent and compete in that fast-growing market. As for why he left, Rutledge said that he was too much of a founder  to fit into a large organization, and that earlier stages of growth are  far more interesting than managing a subsidiary in a behemoth like Amazon.

Bereits vor kurzem hatte Amazon seiner Tochter woot! ein neues Kleid verpasst und den Shop seriöser positioniert – weg vom klassischen Liveshopper und hin zum Dealportal. Einige Marketing-Hausmittel wie Streichpreise oder ein Newsletter, die früher undenkbar waren (Noch auf den Live Shopping Days 2010 in Berlin verkündete Darold Rydl „Wir machen überhaupt kein Marketing“), wurden unter Amazon eingeführt. Wirklich verwunderlich ist es also nicht, dass Rudledge diesen Zeitpunkt zum Ausstieg wählt.

Goodbye Matt! See you soon

Mit Matt Rudledge verlässt ein Pionier und Deal-Rockstar die Bühne des Liveshoppings, der in seinem Wirken bei woot.com einiges bewegt und den E-Commerce nachhaltig beeinflusst hat. Liveshopping kann heute als direkter Vorläufer für Groupshopping ala Groupon und DailyDeal gesehen werden und hatte einigen Einfluss auf den Onlinetrend des Clubshoppings und andere impulsgetriebene Verkaufsmodelle. Es bleibt abzuwarten, was Matt Rudledge als nächstes startet. Möglicherweise lohnt es sich ja, auch dieses Mal die Onlineaktivitäten seines Bruders Dave im Auge behalten.

 

Beitragsbild: Foto Matt Rutledge von twitter.com/snapster

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