Unrentabel: Mediengruppe RTL zieht den DVB-T-Stecker

TV-Nutzer, die ihr Programm über die terrestrische Digitalübertragung (DVB-T) beziehen, müssen in naher Zukunft auf „Dschungelcamp“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Bauer sucht Frau“ verzichten. Denn die RTL-Gruppe hat die Einstellung der Übertragung der Sender RTL, RTL II, Vox, Super RTL und n-tv via DVB-T beschlossen. Der Ausstieg ist bis Ende 2014 angesetzt – in München und Umgebung soll bereits Ende Mai 2013 Schluss sein.

Ausstrahlung ist unrentabel

Nach RTL-Angaben beträgt der DVB-T-Marktanteil bei den Zuschauern bundesweit lediglich 4,2 Prozent und ist daher unrentabel. Zum Großteil wird der Empfang durch Satellit und Kabel von den Zuschauern genutzt. Mit diesen Argumenten begründet der größte Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio den Ausstieg. Rund 30 Mal höher als bei der Ausstrahlung per Satellit seien die Kosten pro DVB-T-Haushalt. Bis Ende 2014 wird die Ausstrahlung via DVB-T deshalb eingestellt – in München und Umgebung soll bereits Ende Mai 2013 Schluss sein.

Kritik an Bund und Ländern

RTL kritisiert, dass Bund und Länder keine langfristigen Garantien für die Verfügbarkeit der Verbreitungsfrequenzen geben würden – diese reichen lediglich bis ins Jahr 2020. Somit lohne sich für RTL keine weitere Investition in die Nachfolgetechnik DVB-T 2, welche die Übertragung von HDTV-Sendern via DVB-T ermöglichen sollte. Eine Summe im „mittleren zweistelligen Millionenbereich” wäre dafür nötig, berichtet n-tv online und beruft sich auf Aussagen der RTL-Geschäftsführung.

„Kein ökonomisch tragfähiges Geschäftsmodell“

Gegenüber dem video-magazin bestätigt auch der Geschäftsführer von RTL interactive, Marc Schröder, die Ausstieg-Pläne: So sehe RTL „trotz intensiver Bemühungen der Infrastrukturbetreiber (…) bislang kein ökonomisch tragfähiges Geschäftsmodell“. Vielleicht ist dem Medienkonzern die Ausstrahlung des DVB-T-Programmes aber auch unlieb, weil mit DVB-T nur unverschlüsselt übertragen werden kann. Die RTL-Gruppe versendet ihre HD-Programme jedoch über die Astra-Plattform HD+ verschlüsselt – für die Freischaltung müssen die Empfänger bezahlen.

„Domino-Effekt“ befürchtet

Die Verbraucherzentrale NRW befürchtet nun, dass weitere Sender aus Kostengründen nachziehen könnten: Denn durch den Ausstieg von RTL würden die Kosten für die übrigen Sender steigen, so die Verbraucherschützer. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) nutzen nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW rund 14 Prozent der 8,2 Millionen Fernsehhaushalte DVB-T als ersten Empfangsweg und weitere fünf Prozent beziehen ihr TV-Programm via DVB-T für Zweit- oder Drittgeräte.

DVB-T günstiger als Kabelfernsehen oder IPTV

Der zuständige Fernsehexperte der Verbraucherzentrale NRW, Michael Gundall, sieht den Privat-Sender deshalb in der Pflicht sich zu beteiligen: Doch „statt an der Weiterentwicklung von DVB-T konstruktiv mitzuarbeiten, zieht sich RTL lieber zurück”, so Gundall. Die Menge an empfangbaren Sendern differiert je nach Bundesland. In Nordrhein-Westfalen können Haushalte mit einem kostengünstigen DVB-T-Empfänger zwölf öffentlich-rechtliche und zwölf private Programme beziehen. Der Wechsel zu Kabelfernsehen oder IPTV, so die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, sei für Zuschauer oft mit „beträchtlichen Mehrkosten verbunden” und der Empfang via Satellit sei vielerorts aufgrund mietrechtlicher Bestimmungen nicht erlaubt.

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