DHDL-Erfinder legt Millionen-Betrüger das Handwerk

Ein gesuchter Betrüger versucht, Detlev Sommer, den Erfinder des Fenster Schnappers hereinzulegen. Der Jenaer Tüftler fällt zunächst auf den charismatischen Mann herein, hilft später aber Interpol dabei, den Mann in Mailand festzusetzen. Die Geschichte, aus der Agentenfilme sind, spielte sich bereits im letzten Jahr ab. Am Dienstag ist Detlev Sommer nun mit seiner Erfindung, mit der diese Geschichte begann, in der Höhle der Löwen zu sehen.

Um die Vereitelung von Straftaten dreht sich alles im Leben des heute 56-Jährigen. Nachdem sich vor zwei Jahren in seiner Vorortsiedlung bei Jena die Wohnungseinbrüche häufen, konstruiert der Diplom-Ingenieur kurzerhand den „Fenster-Schnapper“. Sein Riegel funktioniert ähnlich wie ein Türschloss. Das Fenster lässt sich am im Mauerwerk befestigten Riegel vorbei schließen, der hinter dem Rahmen einschnappt. Nun lässt sich der Rahmen nicht mehr aufdrücken und hält einer Belastung von bis zu 2 Tonnen stand. Drückt man den Riegel ein, kann man das Fenster wieder ganz normal öffnen. Ein tolles Produkt, das sich schon am Dienstag durch ein Investment Ralf Dümmels in die Reihe der Höhle der Löwen Produkte einreihen könnte.

Betrüger sieht Auftritt bei „einfach genial“

Diese Erfindung begeistert nicht nur Hausbesitzer. Nachdem er den Fensterschnapper zum Patent angemeldet hatte, trat der Jenaer Erfinder in der MDR-Sendung „Einfach genial“ auf. Die Sendung stellt interessante Erfindungen und Entwicklungen aus der Region vor. Die Sendung sahen aber nicht nur viele interessierte Hausbesitzer sondern auch ein per internationalem Haftbefehl gesuchter Betrüger. Nach der Sendung erhielt Sommer einen Anruf vom vermeintlichen Herrn B., der sich als Inhaber einer Import- / Exportfirma aus Mailand vorstellte. 30.000 Fensterschnapper sollte die erste Bestellung umfassen, mittelfristig wurde Sommer in Aussicht gestellt, das der vermeintliche italienische Geschäftsmann selbst die Produktion übernehme und dafür eine Lizenzgebühr zahle. Weitere Lizenzgeschäfte mit anderen Ländern wie Russland wurden in Aussicht gestellt. 75.000 Euro sollte jeder Deal bringen.

Was Detlev Sommer nicht wusste: Bei dem Mann, mit dem er per Telefon und E-Mail in Kontakt gewesen war, handelte es sich um einen international gesuchten Verbrecher. Daniele G. entkam 1992 aus einem deutschen Gefängnis. Seither suchte Interpol nach dem Mann, dem Betrügereien in Millionenhöhe vorgeworfen wurden und gegen den 14 internationale Haftbefehle aus ganz Europa vorlagen. Fast 25 Jahre lang gelang es dem heute 48-Jährigen, unbemerkt unterzutauchen und seine krummen Geschäfte zu drehen. Die Internetrecherche von Detlev Sommer brachte jedoch nichts davon zutage, denn Herrn B. und seine Firma schien es wirklich zu geben.

Vorauszahlungsbetrug  in Mailand

Daher schöpfte der Jenaer Erfinder auch keinen Verdacht, als er zur Vertragsunterzeichnung nach Mailand eingeladen wurde. Für ihn und seine Frau war sogar ein Hotelzimmer gebucht worden. Allerdings solle er 5.000 Euro für Notarkosten mitbringen und das Honorar eines Dolmetschers zahlen. Daniele G. empfing das Ehepaar und kümmerte sich herzlich um sie. Er kannte sich bestens im Lizenzrecht und in steuerlichen Fragen aus. Um noch mehr Vertrauen aufzubauen, gab er als Köder aus eigener Tasche 200 Euro zu den 5.000 Euro dazu. Für die Tochter eines fiktiven russischen Lizenznehmers hatten die Sommers sogar noch ein nagelneues iPhone mitgebracht. Immerhin winkten 75.000 Euro Lizenzgebühren.

Am nächsten Morgen ließ sich Daniele G. unter einem Vorwand die 5.000 Euro und das iPhone aushändigen. Später solle man sich beim Notariat treffen, wohin das Ehepaar aus Jana schon mit dem Taxi vor fuhr. Dort angekommen kam die SMS, dass der Deal mit den Russen geplatzt sei und man warten solle. Detlev Sommer schöpfte Verdacht. Er rief die Firma von „Herrn B.“ an. Einen Herrn B. kannte man dort. Der war allerdings nicht identisch mit Daniele G. Vielmehr hatte der Betrüger seine Identität angenommen, um das deutsche Ehepaar zu täuschen. Das verwendete Handy stellte sich als ein nicht zurück verfolgbares Prepaid-Handy heraus. Einem weiteren Treffen sagte der Gauner unter Vorwand ab. Das Geld wolle er überweisen. Die deutsche und italienische Polizei machten dem Ehepaar wenig Hoffnung, das Geld noch einmal zu sehen.

Überführung des Täters

Daniele G. beging allerdings einen gravierenden Fehler. Nachdem der Betrug bei Detlev Sommer geklappt hatte, versuchte er einen Dresdner Erfinder mit der gleichen Masche reinzulegen. Wieder hatte er die Kontaktdaten von der Website der MDR Sendung „Einfach genial“ und wieder stahl er die Identität von Herrn B. Der Dresdner schöpfte allerdings Verdacht, rief erst bei dem vermeintlichen Unternehmen an und dann die Polizei. Der gelang es in der Folge den Betrüger beim fingierten Treffen in einer Hotel-Lobby festzunehmen. Sommer, der den Mann als Einziger identifizieren konnte, reiste zur Gegenüberstellung an.

Daniele G., der bereits durch Identitätsdiebstahl aus dem Gefängnis frei kam, hatte sich fast 25 Jahre lang auf diese Weise seinen Lebensunterhalt ergaunert. Ihm wurden mindestens 14 Immobilien-Betrüge alleine in Monta Carlo zur Last gelegt, ein Millionenbetrug in der Karibik und der Verkauf einer nicht existierenden Luxus-Limousine an vermeintliche Mitglieder der russischen Mafia. Dank Detlev Sommer, seiner Frau und der deutschstämmigen Ehefrau des Herrn B. fristet Daniele G. seine Tage nun hinter Gittern.

Höhle der Löwen und Wirtschaftskriminalität

Am Dienstag stellt Detlev Sommer seine Erfindung, den Fenster-Schnapper erneut im Fernsehen vor. Dieses Mal pitcht er um ein Investment in Die Höhle der Löwen“ auf VOX. Besonders Ralf Dümmel und DS Produkte könnten seinem Fensterschnapper nun zu einem durchschlagenden Erfolg verhelfen. Ein Happy End für den Erfinder aus Jena.

Es ist nicht das erste Mal, das ein Startup aus der Höhle der Löwen in Mailand über den Tisch gezogen werden sollte. Die Gründer von Buddy Watcher saßen einmal einem Geldkkoffer mit einer Million Euro gegenüber und sollten Geld für die italienische Mafia waschen. Sie entschieden sich, lieber Fersengeld zu geben und ihr Glück woanders zu versuchen. Italien ist eine Hochburg der Betrugskriminalität und gerät immer wieder mit spektakulären und dubiosen Geschichten in die Schlagzeilen. Im letzten Jahr wurde der Fall des Unister-Gründers Thomas Wagner bekannt, der ebenfalls in einem Hotel – allerdings in Venedig – einem sogenannten „Rip-Deal“ (Vorauszahlungsbetrug) zum Opfer fiel und einen Tag später unter unklaren Umständen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Quellen: Über den Fall berichteten die Thüringer Allgemeine am 13. Oktober 2016 und am 18.02.2017. Das ZDF verfilmte den Fall mit Detlev Sommer an Originalschauplätzen und strahlte ihn unter dem Titel „Aus großer Hoffnung wurde Reinfall“ im Rahmen der Terra Xpress Sendung vom 19. Februar 2017 aus.

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