Startup-Mekka: Wie entstand eigentlich das Silicon Valley?

Von Apple über Intel, AMD und Hewlett-Packard. Von Google bis Yahoo und von Amazon bis Dell. Alles, was in der Computertechnik und im digitalen Jetzt der USA Rang und Namen hat, sitzt in der südlichen San Francisco Bay Area. Seit 1971 ist das Gebiet um die Städte San Francisco, San Jose, Mountain View und Palo Alto als „Silicon Valley“ bekannt. Abertausende Technologiefirmen sind hier ansässig und wie einst die Goldgräber im Wilden Westen versuchen heute Gründer das Geld der Venture Capital Firmen zu schürfen. Facebook, UBER, Tesla, Google und Whatsapp sind aus dem Silicon Valley heraus groß geworden. Die wenigsten wissen aber, wie alles angefangen hat und warum Frederick Terman und William B. Shockley als „Väter des Silicon Valley“ gelten.

Alles begann mit einem Militärflughafen

Im zweiten Weltkrieg hatte die US Navy auf dem Moffett Federal Airfield (ehemals Airbase Sunnyvale) einen regionalen Militärflugplatz errichtet. Um diesen herum siedelten sich Luftfahrtunternehmen wie Lockheed an, die Raketen, Militär- und Zivilflugzeuge sowie später auch Weltraumtechnik wie das Hubble Weltraumteleskop mitentwickelte. Nachdem die Luftschifftechnologie von der Navy aufgegeben wurde, übernahm die NACA als Vorläufer der NASA Teile der Airbase als Forschungs- und Testgelände. Das Militär und die Luftfahrtunternehmen gelten heute als Kickstarter der Silicon Valley High Tech Industrie. Bereits 1909 entstand der erste Radiosender mit festem Programm in San Jose. Auch die Federal Telegraph Corporation, die für die Navy das welterste globale Radio-Kommunikationssystem entwickelte, hatte ihren Sitz in Palo Alto.

Die erste Garagengründung

Zugleich rief der Dekan der Stanfort Universität Frederick Terman ein Programm für Gründungsförderung ins Leben. Sein Ziel war es, die Region attraktiv für Ansiedlung und Firmengründungen von Studenten zu machen. Dafür stellte er ihnen sogar Kapital bereit. Bereits zwölf Jahre zuvor hatte der Dekan seine beiden Studenten William Hewlett und David Packard bei der Gründung ihrer Elektronikfirma unterstützt. Mittlerweile war das junge Startup aus der Garage in Palo Alto herausgewachsen und hatte während des zweiten Weltkriegs Gewinne mit seinem Tonfrequenzgenerator HP200A und anderen Produkten erwirtschaftet. So viel, dass nur wenige Jahre später eine Expansion in die Schweiz und nach Deutschland anstehen würde. Heute gilt die Garagengründung von hp 1939 offiziell als die Geburtsstunde des Silicon Valley.

Geburtsort des Silicon Valley: Die Hewlett-Packard Garage, 367 Addison Avenue in Palo Alto, California

Der erste Technologie-Park

Es wäre aber bei der einmaligen Erfolgsgeschichte geblieben, hätte es nicht Terman und sein Förderprogramm gegeben. Ab 1952 begann er, leerstehende Industriegebäude für geringe Kosten an Technologiefirmen zu vermieten. Der Stanford Industrial Park war geboren, der welterste Industriepark für Technologieunternehmen. Neben Hewlett-Packard und Lockheed zogen auch General Electric, Eastman Kodak und Varian Associates ein. Schnell war der Park voll belegt und weitere Firmen siedelten sich entlang des Freeways in Richtung San Jose an. Ab 1954 war es den Angestellten der Unternehmen möglich, in Teilzeit an der Universität zu studieren. Bis heute ist der Technologiepark, der mittlerweile Stanford Research Park heißt, Vorbild für die Bauweise anderer Technologiezentren im Valley und Firmensitz von Hewlett Packard. Später gesellten sich Tesla und bis vor kurzem Facebook in die Liste der dort angesiedelten Unternehmen.

Stanford Industrial Park (Luftaufnahme & Karte)

Silicium gibt dem Tal den Namen

1956 zog der spätere Physik-Nobelpreisträger William B. Shockley nach Montain View. Er hatte maßgeblich an der Erfindung des Transistors bei Bell Laboratories mitgewirkt, das Unternehmen aber im Streit verlassen. Nachdem er in der freien Wirtschaft keine Unterstützer fand, wandte er sich dem California Institure of Technology zu, um die Transistortechnologie zur Marktreife zu entwickeln. Bei Der Entwicklung seiner Bipolartransistoren wendete er sich vom damals gebräuchlichen Halbleiter Germanium ab und konzentrierte sich fortan auf das noch heute gebräuchliche Silicium.

Ein weiteres Projekt, die Entwicklung von speziellen Vierschichtdioden, erwies sich als kompliziert und wenig erfolgreich. Shockley verärgerte seine acht wichtigsten Mitarbeiter. Die heute als „Fairchild Eight„, „Fairchildren“ oder „Traitorous Eight“ („Verräterische Acht“) bekannten Angestellten Victor Grinich, Robert Noyce, Gordon Moore, Eugene Kleiner, Julius Blank, Sheldon Roberts, Jean Hoerni und Jay Last versuchten zunächst, Shockley zu entmachten. Als das nicht gelang, kündigten sie ihre Jobs und gründeten die Fairchild Tochterfirma Fairchild Semiconductor in direkter Konkurrenz zu Shockley. Der Sputnik-Schock brachte den Abtrünnigen eine Projektfinanzierung, die direkt vom Präsitenden der Vereinigten Staaten kam. Zu diesem Zeitpunkt war Fairchild Semiconductor die einzige Firma, welche die benötigten Transistoren herstellen konnte.

Die Geschichte abtrünnig werdender Mitarbeiter wiederholte sich aber. In dritter Generation entstanden weitere Firmen der Fairchild Eight, darunter Intel (gegründet von Robert Noyce und Gordon Moore). Auch AMD entstand wie viele weitere Firmen aus dem Umfeld ehemaliger Mitarbeiter. Durch die hohe Firmendichte und die damit einhergehende Konkurrenz wurden der Marktwettbewerb und der Forschungs- und Entwicklungsdruck immer weiter erhöht.

Von dem langjährigen Fokus auf Transistoren und Silicium-basierte Technologie bekam das Valley auch seinen Namen. Der Journalist Don Hoefler griff 1971 den Begriff auf Vorschlag eines befreundeten Gründers auf und veröffentlichte unter dem Titel eine Reihe von Artikeln in der Wochenzeitung Electronic News. Mit der Einführung des ersten IBM PCs in den 80ern verbreitete sich der Begriff weltweit.

Zuvor sollte aber noch weiter Geschichte geschrieben werden. 1969 war die Stanford University eine der vier vernetzten Forschungseinrichtungen des ARPANET, aus dem später das Internet hervorgehen sollte. Wenige Jahre zuvor hatte eine US-Einwanderungsreform dazu geführt, dass immer mehr Asiaten, Portugiesen und Latinos ihr Glück in der High-Tech und der produzierenden Industrie des Valleys suchten. Diese gaben der Wirtschaft nun einen entscheidenden Schub und brachten Arbeitskraft und Expertise in die Region.

1974 stellte Intel den ersten Mikroprozessor vor und läutete damit die Ära der Personal Computer Technologie ein, die das Bild des Valley lange prägen sollte.

Das heutige Silicon Valley

Luftbild des Silicon Valleys (Patrick NouhaillerCreative Commons 2.0)

Heute umfasst das Silicon Valley 4.000 km², hat je nach Zählweise 3,5 bis 4 Millionen Einwohner in 17 Städten, beherbergt 7.000 Firmen in der Soft- & Hardware-Branche mit einer halben Million Angestellten. Pro Jahr werden rund 180 Milliarden US-Dollar Umsatz generiert und weltweit gibt es dutzende Regionen, die dem Valley nacheifern. Die Halbleiter- und Computer-/Hardware-Industrie macht noch immer einen großen Anteil der Wirtschaft im Silicon Valley aus, aber macht mittlerweile sehr stark durch Software, Apps und Internetdienste auf sich aufmerksam. Seit den 70er Jahren ist zudem eine rege Venture Capital Landschaft erwachsen, die nicht zuletzt zur Dotcom-Blase um das Jahr 2000 geführt hatte. Aber auch Google, Amazon, ebay, Craigslist, AirbnB und viele andere Erfolgsgeschichten sind im Silicon Valley entstanden. Sie sind Teil des Mythos, der das Silicon Valley zum Mekka der Startup-Gründer gemacht hat.

Das Moffett Federal Airfield, mit dem alles begann, ist aktuell übrigens für die Dauer von 60 Jahren von Google gemietet und wird teils für die firmeneigene Flugzeugflotte, teils von Lockheed Martin und teils auch noch militärisch genutzt. Google beabsichtigt außerdem den historischen Hangar One wieder in Stand zu setzen, der einst für Luftschiffe genutzt wurde. Hier sollen Tests für die Projekte aus Luft- und Raumfahrt sowie Robotik stattfinden. Vielleicht der Anfang einer neuen Erfolgsgeschichte.

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