Bloomy Days: Erstmals Exit-Möglichkeit für die Crowd

Bloomy Days Bloomy Days

Im Juni 2013 sammelte das Blumen-Abo Bloomy Days im Rahmen einer größeren Finanzierungsrunde Kapital im hohen sechsstelligen Bereich ein. Investoren waren der niederländische VC-Geber Otto Capital Partner und das deutsch-schweizerische Atlantic Ventures. “In einem etablierten Milliardenmarkt der Old Economy hat Bloomy Days mit dem ersten Online-Blumen-Abonnement etwas Neues geschaffen und großes Wachstumspotenzial aufgezeigt. Uns gefällt besonders die Verbindung dieser zwei Welten,” hieß es seitens Otto Capital zum Investment.

Bloomy Days

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Das Berliner Startup Bloomy Days wurde im Mai 2012, drei Monate nach der Gründung, über die Plattform Seedmatch im Rahmen eines Crowdinvestings seed-finanziert. Nachdem sich vorab sogar E-Commerce-Experte Jochen Krisch von Exciting-Commerce begeistert über die Idee des Online Blumenversands geäußert hatte, warb das Startup die 100.000 Euro binnen 93 Minuten ein, was sogar den Seedmatch Server zeitweise in die Knie zwang und einen regelrechten Crowdinvesting-Rekord darstellte. “Großartig ist es schon, dass selbst bei solch angesagten Themen nicht mehr nur ein kleiner Kreis von Brancheninsidern den Vorzug erhält, sondern im Prinzip jedermann/jedefrau die Chance hat, frühzeitig zum Zug zu kommen,” bewertete Krisch seinerzeit den Finanzierungsweg über das Crowdinvesting.

Beinahe ein Jahr nach dem Einstieg von Otto Capital wurde nun jedoch bekannt, das der holländische Investor auf einer Auflösung der 175 stillen Beteiligungen aus der Crowdinvesting-Runde bestand. In einem Artikel der Wirtschaftswoche plaudert ein Crowdinvestor munter eigentlich interne Informationen seiner Startups aus. Neben LifeAction, die in dem Artikel vollkommen zu unrecht gar nicht gut wegkommen, wurde somit auch der Quasi-Exit der Crowd bei Bloomy Days öffentlich enthüllt. Die Lösung der Crowd-Misere war nämlich das Angebot, die stille Beteiligung gegen Zahlung von 30 Prozent Rendite sofort aufzulösen oder aus der stillen Beteiligung in eine Unterbeteiligung zu wechseln und somit den Verwässerungsschutz zu verlieren, den Seedmatch 2012 in seinen Verträgen noch vorgesehen hatte.

Franziska v. Hardenberg

Franziska v. Hardenberg

Ehrlich gesagt war es etwas holprig, aber ich denke wir haben das Thema für alle Parteien gut gelöst,” beantwortete Gründerin Franziska von Hardenberg bereits im Juni 2013 in einem Interview mit Crowdstreet die Frage nach der VC-Kompatibilität des Crowdfundings. Damals jedoch ohne Einblicke in die Art der Lösung zu geben.

Folgt man nun der Argumentation des Wirtschaftswoche-Artikels wurde den Crowdinvestoren mehr oder weniger die Pistole auf die Brust gesetzt, da jeder, der nicht mitmache, die Pleite der Firma riskiere. Bedauerlich ist es schon, dass der niederländische VC hier nicht aufgeschlossen für neue Finanzierungsformen war. Crowdinvestoren sind eben mehr als nur reine Geldgeber. Sie sind immer noch wichtige Multiplikatoren, die Entwicklung, Marketing und Wachstum des Unternehmens unterstützen können. Laut Einschätzung der Wirtschaftswoche wurden die Investoren zudem unter Wert rausgedrängt. Die Firma sei weit mehr als 1,5 Mio Euro wert, aus denen sich das Angebot ableitete. Nachvollziehbar ist jedoch auch der Wunsch der VCs nach verwässernden Crowdinvesting-Beteiligungen, wie Seedmatch sie mittlerweile in seine Verträge aufgenommen hat.

Ein bisschen erinnert das an den Shitstorm, den das US-Unternehmen Oculus VR nach seinem Millarden-Exit an Facebook erntete, bei dem die Crowdfunder, die das Geld zum Aufbau der Gesellschaft über Kickstarter bereitgestellt hatten, komplett leer ausgingen.  Zugleich muss man jedoch auch feststellen, dass der Wirtschaftswoche-Artikel unnötig aufgebauscht ist und eine 30prozentige Rendite nach einem dreiviertel Jahr durchaus etwas für sich hat. Kein echter Exit, bei dem die Crowd groß abkassiert, aber für wenige Monate ein durchaus gutes Ergebnis. Auch mit den neuen Beteiligungsverhältnissen bleibt Bloomy Days eines der Vorzeige-Unternehmen des Crowdinvestings.

Betreut wurde die Finanzierungsrunde von den Rechtsanwälten von Lacore. Wie viele Crowdinvestoren die Umwandlung der Beteiligung angenommen haben und wie viele ausgezahlt wurden, ist bisher nicht bekannt.

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Über Stefan Jänisch
Stefan Jänisch beschäftigt sich seit 2006 mit eBusiness und aktuellen Trends wie Liveshopping, Crowdinvesting, Mass Customization, Abo-Commerce, Curated Shopping und Couponing.