Netzwelt testet Liveshopping

Jan Johannsen von Netzwelt.de fügt sich nun in die Reihe der Liveshopping-Anbieter-Tester ein. Dass der Artikel mit wenig Neuem aufwarten kann, ist bedauerlich, allerdings auch einem ungünstigen Timing geschuldet. Zuvor testeten bereits die Verbraucherzentrale NRW, Computerbild und CHIP Test&Kauf, die alle zu dem gleichen Ergebnis kamen: Liveshopping lohnt sich fast immer.

So auch das Ergebnis von Netzwelt.de: Liveshopping lag in sämtlichen Fällen unter dem UVP und war in 92,6 Prozent aller Fälle das günstigste Angebot im Netz. Die Testbedingungen sind leider nur äußerst ungenau beschrieben, wodurch nicht nur die Sachlichkeit und Aussagekraft leiden, sondern auch der Leser ziemlich verwirrt wird. Getestet wurden Angebote aus 10 von 40 Liveshops. Bei einem Testzeitraum von einer Woche erstaunt es jedoch, dass sich die Stichprobe auf 27 Produkte begrenzt. Das könnte ein Hinweis sein, dass bei der Stichprobe nich alle 10 Shops über den gesamten Zeitraum getestet wurden, sondern möglicherweise sogar ein Pool aus sämtlichen Angeboten gebildet wurde. Vor dem Hintergrund, dass das Prinzip Liveshopping an sich auf dem Prüfstand stand, scheint das legitim und sogar sinnvoll. Hier muss dann aber die Frage erlaubt sein, warum nicht ein Pool (sofern es ihn denn gab) mit sämtlichen Anbietern gebildet wurde. 25 der 27 getesteten Produkte waren übrigens echte Online-Schnäppchen. Weiterhin ist die Rede von 5 Produkten, die sich dem Preisvergleich entzogen. Es bleibt unklar, ob diese in den 27 getesteten Produkten enthalten waren. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie herausgerechnet wurden. So erfreulich das Ergebnis, so intransparent wird leider der Test selbst dargestellt. Rückschlüsse auf Repräsentativität sind damit nicht möglich.

Auch die „Tipps gegen böse Überraschungen“ lesen sich zunächst etwas befremdlich. Von Restposten, Auslaufmodellen und Ramschware ist warnend die Rede. Der nächste Satz relativiert jedoch schon, dass das nach eigenen Recherchen eher die Ausnahme sei. Weitere Tipps sind die Verwendung von Preissuchmaschinen und Liveshopping-Übersichten. Der mahnende Netzwelt-Zeigefinger warnt jedoch: „Kaufen Sie nicht blind ein“. Der günstige Preis alleine macht ein Produkt noch nicht erwerbenswert.

Gut gemacht ist der klar gegliederte Einführungsteil des Artikels, der behutsam an das Thema Liveshopping heranführt. Einen guten Ansatz hat Jan Johannsen auch bei der Kategorisierung von Liveshops gefunden:

(Konzeptionell):

  • Shops nach dem ursprünglichen Prinzip (ein Tag, ein Produkt, ein Preis): z.B. Guut, iBood, Schutzgeld, Onedealoneday
  • Shops, die vom 24 Stunden Zeitraum abweichen: z.B. Smileandbuy, Urdeal, Niboki
  • Herkömmliche Shops mit Tagesangebot: z.B. Alternate, Quelle, Tschibo, Myby

(Thematisch):

  • Shops, die nur eine Produktart verkaufen: Spiele (Gamerdeals), Sport (Sportlet), Reisen (Abedi)
  • Shops, die Produkte jeder Art anbieten: iBood, guut, Preisbock, Schutzgeld

Bisher wurden diese Kategorien in der Medienberichterstattung oft miteinander vermischt und nicht klar abgegrenzt. Der Ansatz ist daher gut, aber leider nicht konsequent zuende gedacht. Preisbock beispielsweise wurde im Netzwelt-Artikel dem ursprünglichen Konzept zugeschrieben. Diese Einordnung stimmt jedoch nur, wenn man als maßgebliches Kriterium die Einstellungsperiodizität neuer Produkte und nicht die Abverkaufsdauer heranzieht, die bei Preisbock 24 Stunden auch mal überschreiten kann. Der Bock ist konzeptionell also eher ein Satyr.

Die Trennung zwischen reinen Liveshops und herkömmlichen Shops mit Liveshopping-Angebot ist nicht konsequent abgegrenzt von Variationen in der Angebotsdauer. Es fehlt darüber hinaus eine Kategorie für Konzepte, die auf Abweichungen der anderen beiden Merkmale, Preis und Produktanzahl, basieren. Besonders Schnellig und Weedoo wären hier in Verbindung mit Preisveränderungen zu nennen gewesen.

Leider täuscht der reißerische Titel „Günstige Schnäppchen oder teurer Ramsch? Live Shopping: Cooler Trend oder billige Verkaufsmasche?“ über das positive Testergebnis und die über weite Strecken gelungene Einführung hinweg.

Link: Netzwelt.de – „Live Shopping: Cooler Trend oder billige Verkaufsmasche?“ – Artikel vom 07.09.2008

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